Veranstalter: Natur-Museum Goldberg
Öffnungszeiten:
Karfreitag bis 31. Oktober:
Mittwoch bis Freitag 11 – 16 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 – 17 Uhr
1. November bis Gründonnerstag:
nach Anmeldung sind Besuche möglich
Vor 50 Jahren initiierte Klaus Ender die erste Aktausstellung der damaligen DDR. Zehn
Jahre hatte er sich dafür eingesetzt. Ein erster Versuch 1965 in Sassnitz auf Rügen war
gescheitert. Doch der Ästhet gab nicht auf. Durch zahlreiche Veröffentlichungen in „Das
Magazin“ und anderen Zeitschriften hatte er sich einen Namen gemacht. Mit seiner
sensiblen Auffassung wurde er ein Wegbereiter. Seine dezente Darstellung des weiblichen
Körpers überzeugte. Er konnte den Fotografiker Gerd Rattei als Partner gewinnen. Beide
eröffneten am 16. September 1975 auf der Freundschaftsinsel in Potsdam diese
Ausstellung. Sie sollte Geschichte schreiben. Das Genre wurde als Kunstrichtung
anerkannt. Aufgrund des riesigen Erfolges in Potsdam zog „Akt & Landschaft“ als
Wanderausstellung durch weitere Städte und konnte über 100.000 Besucher verzeichnen.
Das machten sich die Kulturfunktionäre zu Nutze und erhoben die Ausstellung 1979 zur
Triale, an der sich alle DDR-Fotografen beteiligen konnten.
1962 war der Saisonbäcker in Thiessow auf Rügen gestrandet, im Gepäck seine Kamera.
Die Faszination für die Fotografie hatte er längst entdeckt und sie sollte ihn zeitlebens
begleiten. Im Jahr 1963 entstanden die ersten Aktaufnahmen. Der Autodidakt erhielt 1966
auf Grund seiner fotografischen Leistung die Zulassung für freischaffende journalistische
Tätigkeit. 1979 zeichnete ihn der Weltverbandes für Kunstfotografie (FIAP) mit dem
internationalen Ehrentitel ARTISTE FIAP (AFIAP) aus. Das Ministerium für Unterricht und
Kunst in Wien stufte ihn 1982 als „Bildender Künstler der Fotografie“ ein.
Die Ausreise nach Österreich 1981 bezahlte der Initiator der ersten Aktausstellung teuer.
Ein Abtrünniger wurde in der DDR aus allen Archiven getilgt. So überging man die
Ausstellung von 1975 und erklärte die von 1979 zur ersten – eine Geschichtsverfälschung
noch bis weit nach der Wende. Doch der Name Klaus Ender ließ sich aus der Geschichte
der Aktfotografie nicht löschen.
1996 kehrte der Naturliebhaber zurück auf die Insel Rügen – zurück zu der Insel, die ihn
einst bewogen hatte, Fotograf zu werden. Seitdem widmete er sich wieder verstärkt der
Aktfotografie und präsentierte seit 2006 seine „Akt & Landschaft“ regelmäßig. Um viele
Aufnahmen ergänzt, zeigt die legendäre Exposition inzwischen fast sechs Jahrzehnte
künstlerischer Aktfotografie. Der Ästhetik fühlte er sich immer verbunden und beugte sich
keinem Zeitgeist. Bis hin zu seinem letzten Modell, das er auf Fuerteventura fotografierte,
stand die natürliche Sinnlichkeit im Fokus. Die Unbefangenheit, die seine Bilder ausstrahlen,
üben einen besonderen Reiz auf den Betrachter aus und machen sie unverwechselbar.
Er verstand es meisterhaft, die Modelle von ihrer schönsten Seite zu präsentieren,
ihre Körpersprache in ein Gleichgewicht zu bringen und ihnen ihre Persönlichkeit zu
bewahren. Oft verband Ender die Schönheit der Landschaft mit der des weiblichen
Körpers, und wies so darauf hin, wie verletzlich Mensch und Natur sind. Die Harmonie
zwischen beiden war ihm ein besonderes Anliegen.
Bis zum Schluss war die Fotografie seine Passion. Seine bewegenden Bilder zeugen von
großem Respekt vor der Natur. Seit 2002 widmete er sich als Dichter und Aphoristiker der
deutschen Sprache und bewies auch in diesem Genre eine besondere Sensibilität im
Umgang mit Themen wie Trauer und Abschied, aber auch Liebe, Glück oder innerem
Frieden. Im eigenen Art Photo Verlag erschienen und erscheinen Aktbücher, Gedicht- und
Aphorismus-Bildbände, Kunstkarten, Kalender u. v. m.
Klaus Ender wünschte sich, dass die ästhetische Aktfotografie auch in Zukunft ihren Platz
findet. Seine Ausstellung trägt diesen Gedanken weiter. Über die gesamte Dauer sind
seine Bücher und andere Publikationen erhältlich, darunter auch der Kalender „Akt &
Landschaft“ für 2025 – eine Jubiläumsausgabe, die ausschließlich Fotografien der ersten
Schau von 1975 enthält, sowie der „Ganz persönliche Jahresbegleiter“.
Während der Ausstellungsdauer ist der Dokumentarfilm „Klaus Ender – Wenn Bilder eine
Seele haben…“ (Heimat-Bild-Verlag) mehrfach zu sehen. Er zeigt auf beeindruckende
Weise den ungewöhnlichen Weg des außergewöhnlichen Künstlers vom Amateur zu
einem der renommiertesten deutschen Aktfotografen.
